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Wie Freundschaften entstehen

Wenn Ähnlichkeit zum Problem wird: Die dunkle Seite der Homophilie

Die Tendenz, sich mit ähnlichen Menschen zu umgeben — Homophilie — ist einer der am besten dokumentierten Befunde der Beziehungsforschung. Doch diese Neigung hat auch eine Schattenseite: Zu viel Ähnlichkeit kann die Qualität von Entscheidungen.

Von Fraily RedaktionLesezeit ca. 9 Minuten

Kann Ähnlichkeit schaden?

Die Tendenz, sich mit ähnlichen Menschen zu umgeben — Homophilie — ist einer der am besten dokumentierten Befunde der Beziehungsforschung. Doch diese Neigung hat auch eine Schattenseite: Zu viel Ähnlichkeit kann die Qualität von Entscheidungen verschlechtern, den Zugang zu neuen Informationen einschränken und Gruppendenken fördern.

Eine großangelegte Studie aus dem Bereich der Venture-Capital-Finanzierung liefert dafür besonders belastbare Evidenz (Gompers, Mukharlyamov & Xuan, 2016). Die Autoren untersuchten über 15.000 gemeinsame Investitionen von Risikokapitalgebern und fanden: Investoren, die denselben ethnischen Hintergrund teilen, dieselbe Hochschule besucht oder beim selben Arbeitgeber gearbeitet haben, arbeiten signifikant häufiger zusammen. Doch diese ähnlichkeitsbasierte Zusammenarbeit geht mit deutlich schlechteren Investmentergebnissen einher. Die Erfolgswahrscheinlichkeit sinkt um 11,5 % bei gleicher Hochschule, 22,5–26,4 % bei ehemaligen Kollegen und bis zu 32,2 % bei gleicher ethnischer Minderheitenzugehörigkeit.

Echokammern im Freundeskreis

Entscheidend ist der Mechanismus: Die schlechteren Ergebnisse gehen nicht darauf zurück, dass ähnliche Partner schlechtere Projekte auswählen (Selektionseffekt). Kontrolliert man für die ex-ante-Qualität der Investments, bleibt der negative Effekt bestehen. Es handelt sich um einen Behandlungseffekt: Ähnliche Partner treffen nach der Investition schlechtere Entscheidungen. Sie neigen zu sozialem Konformitätsdruck und Gruppendenken, während heterogenere Teams von unterschiedlichen Perspektiven, Wissensbeständen und kritischerem Hinterfragen profitieren (Williams & O'Reilly, 1998).

Dieser Befund lässt sich auf persönliche Freundschaften übertragen: Wenn Freundschaftsnetzwerke zu homogen sind, kann dies den Informationszugang einschränken. Bridging-Beziehungen zu verschiedenartigen Personen liefern neue Perspektiven und Ressourcen. Zu starke Homophilie produziert Redundanz — man hört immer dieselben Meinungen, bestätigt sich gegenseitig und versäumt alternative Sichtweisen. Die abnehmenden Erträge multidimensionaler Homophilie weisen in dieselbe Richtung: Ähnlichkeit auf zu vielen Dimensionen gleichzeitig bringt weniger Zusatznutzen als erwartet.

Groupthink-Effekt

Die Studie von Gompers et al. (2016) erschien im Journal of Financial Economics und nutzt die einzigartige Datenlage des Venture-Capital-Sektors: Jedes Investment hat ein klar messbares Ergebnis (Börsengang = Erfolg). Die Autoren verwenden Instrumentalvariablen-Ansätze und kontrafaktische Paare, um kausale Aussagen zu stärken. Williams und O'Reilly (1998) liefern den theoretischen Rahmen: Diverse Teams profitieren von einer Vielfalt an Perspektiven, was Kreativität und Problemlösung verbessert. Die Übertragung auf persönliche Freundschaften wird durch Granovetters (1973) Theorie der „Stärke schwacher Bindungen" gestützt, die zeigt, dass gerade entfernte, andersartige Kontakte den größten Informationsgewinn bieten.

Die Studie bezieht sich auf professionelle Kooperationsbeziehungen, nicht auf persönliche Freundschaften. Die Erfolgsmessung (IPO) ist für Freundschaften nicht übertragbar — Freundschaften dienen nicht primär der Entscheidungsoptimierung, sondern emotionaler Unterstützung und Zugehörigkeit. Zudem zeigt die Forschung zur wahrgenommenen Ähnlichkeit, dass das Gefühl, einander ähnlich zu sein, die emotionale Nähe in Freundschaften steigert — ein Nutzen, der in der rein ökonomischen Betrachtung nicht erfasst wird. Die negativen Folgen von Homophilie betreffen also primär die informationelle und entscheidungsbezogene Ebene, nicht die emotionale Funktion von Freundschaften.

Die VC-Studie

Die aktuelle Forschungslage zu diesem Aspekt wird im Folgenden zusammengefasst.

Wann Ähnlichkeit hilft

Die aktuelle Forschungslage zu diesem Aspekt wird im Folgenden zusammengefasst.

Freundschaften brauchen Initiative

Die Forschung zeigt: Freundschaften entstehen durch wiederholten Kontakt und geteilte Erlebnisse. Fraily erinnert dich daran, den nächsten Schritt zu machen – bevor der Alltag es verhindert.

Häufige Fragen

Kann ein zu ähnlicher Freundeskreis schaden?
Die Tendenz, sich mit ähnlichen Menschen zu umgeben — Homophilie — ist einer der am besten dokumentierten Befunde der Beziehungsforschung.
Was ist eine Echokammer?
Eine großangelegte Studie aus dem Bereich der Venture-Capital-Finanzierung liefert dafür besonders belastbare Evidenz (Gompers, Mukharlyamov & Xuan, 2016). Die Autoren untersuchten über 15.
Wann wird Ähnlichkeit zum Problem?
Die Studie bezieht sich auf professionelle Kooperationsbeziehungen, nicht auf persönliche Freundschaften. Die Erfolgsmessung (IPO) ist für Freundschaften nicht übertragbar — Freundschaften dienen nicht primär der Entscheidungsoptimierung, sondern emotionaler Unterstützung und.
Wie bekommt man mehr Vielfalt?
Entscheidend ist der Mechanismus: Die schlechteren Ergebnisse gehen nicht darauf zurück, dass ähnliche Partner schlechtere Projekte auswählen (Selektionseffekt). Kontrolliert man für die ex-ante-Qualität der Investments, bleibt der negative Effekt bestehen.

Quellen

  1. Gompers, Mukharlyamov & Xuan (2016). The cost of friendship. Journal of Financial Economics, 000, 1-19.
  2. Williams & O'Reilly (1998). Demography and diversity in organizations: A review of 40 years of research.Gompers et al., 2016.
  3. Granovetter (1973). The strength of weak ties. American Journal of Sociology, 78, 1360-1380.Gompers et al., 2016.
  4. Gompers et al. (2016).