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Gemeinsam Essen & Gastgeben

Wer kocht, wer organisiert? Geschlechterrollen beim Gastgeben

Mellor, Blake und Crane (2010) finden in ihrer britischen Studie, dass die Last der Dinner-Party-Organisation überproportional auf Frauen fällt — selbst in Mittelschicht­haushalten mit beiden Partnern im Beruf. Einkaufen, Planen, Kochen,.

Von Fraily RedaktionLesezeit ca. 9 Minuten

Wer macht was beim Gastgeben?

Mellor, Blake und Crane (2010) finden in ihrer britischen Studie, dass die Last der Dinner-Party-Organisation überproportional auf Frauen fällt — selbst in Mittelschicht­haushalten mit beiden Partnern im Beruf. Einkaufen, Planen, Kochen, Dekorieren, das Wissen um "tasteful" Foods, die Performance-Angst bei Gastgebenrissen — all das wird in ihren Interviews vorwiegend von den weiblichen Teilnehmerinnen berichtet.

Dieses Muster hat historische und strukturelle Wurzeln. DeVault (1991) dokumentiert in ihrer klassischen Studie, dass Frauen die Mahlzeitenarbeit als Teil ihrer Identität als "Mutter" und "Hausfrau" verrichten und ihre eigenen Vorlieben systematisch hinter denen von Kindern und Partnern zurückstellen. Charles & Kerr (1988), Lupton (1994) und Beagan et al. (2008) bestätigen diese Muster für unterschiedliche Haushaltstypen. Dinner-Partys verstärken diesen Effekt, weil sie höhere Anforderungen an kulinarisches Können, Ästhetik und Gastfreundschaftsperformance stellen als Alltagsmahlzeiten.

Gender-Asymmetrie

Der Effekt hat eine zweite Ebene: Weil Frauen die Arbeit leisten, sind sie auch diejenigen, die kulturelles Kapital erwerben und demonstrieren. Wissen um Käsesorten, Weinkenntnis, regionale Spezialitäten — all dies ist Teil dessen, was Mellor et al. als "doing class" beschreiben. Frauen sind damit die Trägerinnen einer klassenspezifischen Distinktionsleistung, die aber ungleich verteilt bewertet wird: Gelingt der Abend, profitiert das Paar; misslingt er, trägt die Frau primär die soziale Verantwortung.

Die Asymmetrie betrifft auch die Emotionsarbeit. Frauen antizipieren Bedürfnisse der Gäste, glätten Konflikte, halten Gespräche in Gang. Diese unsichtbare Arbeit bleibt oft unausgesprochen und ist in Paar-Aushandlungen selten Gegenstand expliziter Verhandlung. Michelle (Project Exponential) warnt ebenfalls vor dieser Unausgesprochenheit und empfiehlt, die Rollenverteilung vor jedem Abend offen zu thematisieren.

Warum Frauen mehr tragen

Der Befund knüpft an die feministische Haushalts­forschung (DeVault 1991; Charles & Kerr 1988) an und an Valentine (1999), die Konsum als Ort der Geschlechterperformance versteht. Innerhalb des Bourdieu'schen Rahmens von Mellor et al. wird Geschlecht als Modifikator klassenspezifischer Praxis eingeführt — ein wichtiger Beitrag, da der Bourdieu'sche Klassen-Blick für sich allein Geschlecht oft vernachlässigt.

Die Studie ist qualitativ und auf britische Mittelschichts­paare begrenzt. Jüngere Generationen, gleichgeschlechtliche Paare, Single-Haushalte und Haushalte mit expliziter Egalitätsnorm zeigen möglicherweise andere Muster. Quantitative Zeitbudget­studien wären nötig, um die Asymmetrie zu präzisieren. Zudem gibt es Gegenbeispiele — in einigen Milieus (z.B. ambitionierte männliche Hobbyköche) kann Gastgeben als männliche Kompetenzdemonstration umgedeutet werden; auch dann bleibt oft die unsichtbare Emotionsarbeit bei der Frau.

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Die aktuelle Forschungslage zu diesem Aspekt wird im Folgenden zusammengefasst.

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Die aktuelle Forschungslage zu diesem Aspekt wird im Folgenden zusammengefasst.

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Häufige Fragen

Wer kocht wenn Gäste kommen?
Die Asymmetrie betrifft auch die Emotionsarbeit. Frauen antizipieren Bedürfnisse der Gäste, glätten Konflikte, halten Gespräche in Gang. Diese unsichtbare Arbeit bleibt oft unausgesprochen und ist in Paar-Aushandlungen selten Gegenstand expliziter Verhandlung.
Ist Gastgeben Frauensache?
Mellor, Blake und Crane (2010) finden in ihrer britischen Studie, dass die Last der Dinner-Party-Organisation überproportional auf Frauen fällt — selbst in Mittelschicht­haushalten mit beiden Partnern im Beruf.
Wie teilt man Aufgaben fair auf?
Der Effekt hat eine zweite Ebene: Weil Frauen die Arbeit leisten, sind sie auch diejenigen, die kulturelles Kapital erwerben und demonstrieren. Wissen um Käsesorten, Weinkenntnis, regionale Spezialitäten — all dies ist Teil dessen, was Mellor et al. als "doing class" beschreiben.
Gibt es Unterschiede im Gastgeberstil?
Die Studie ist qualitativ und auf britische Mittelschichts­paare begrenzt. Jüngere Generationen, gleichgeschlechtliche Paare, Single-Haushalte und Haushalte mit expliziter Egalitätsnorm zeigen möglicherweise andere Muster.

Quellen

  1. Mellor, Blake & Crane (2010). "When I'm Doing a Dinner Party I Don't Go for the Tesco Cheeses". Food, Culture & Society, 13(1), 115-134.
  2. DeVault (1991). Mellor et al., 2010.
  3. Charles & Kerr (1988). Mellor et al., 2010.
  4. Michelle, Project Exponential How to Host a Dinner Party.