Gemeinsam Essen & Gastgeben
Restaurant schenken: Gastfreundschaft ohne eigene Küche
Lekkumporn (2012) untersuchte in einer Online-Befragung von 638 Respondenten in Australien, wie persönliche Werte die Wahl eines Restaurants als immaterielles Gastgeschenk für Freunde oder Familie beeinflussen. Grundlage war Kahles List of Values.
Warum ein Restaurant schenken?
Lekkumporn (2012) untersuchte in einer Online-Befragung von 638 Respondenten in Australien, wie persönliche Werte die Wahl eines Restaurants als immaterielles Gastgeschenk für Freunde oder Familie beeinflussen. Grundlage war Kahles List of Values (LOV) kombiniert mit der Theory of Planned Behaviour (TPB). Ergebnis: Sechs Werte prägen das Geschenkverhalten besonders stark — "Warm Relationship with Others" (WR), "Sense of Accomplishment" (SA), "Sense of Belonging" (SB), "Being Well-Respected" (BR), "Security" (SC) und "Excitement" (EC).
Die Wirkung dieser Werte ist nicht uniform. Menschen mit starkem Wert "Warm Relationship" und "Excitement" wählen Restaurants primär nach ihrer eigenen Einstellung zum Verhalten (Attitude toward Behaviour) — sie fragen: "Freut mich das selbst, bringt es Wärme in die Beziehung?" Menschen mit hohem Wert "Sense of Belonging" orientieren sich stärker an sozialen Normen: Welche Restaurantkategorie ist in meiner Peer-Gruppe erwartbar? "Sense of Accomplishment" als dominanter Wert führt zu höherer Suchintensität und mehr Informationsrecherche — solche Gastgeber betrachten die Wahl als Leistungstask.
Welche Werte stecken dahinter?
Ein zentraler Befund: Das Geschenkverhalten pendelt zwischen zwei Motivationsachsen. Die erste Achse ist obligatorisch vs. freiwillig (Goodwin, Smith & Spiggle 1990): Wer den Anlass als Pflicht wahrnimmt, wählt normgerecht; wer ihn als Selbstausdruck sieht, wählt persönlich. Die zweite Achse ist agonistisch vs. altruistisch (Sherry 1983): Agonistische Geschenke spiegeln den Geber (sein Wissen, sein Status); altruistische Geschenke die Präferenzen des Empfängers.
Das Restaurant als Geschenk ist besonders interessant, weil es beide Achsen zugleich aktiviert: Der Gastgeber investiert Geld (ökonomisch), Zeit (Recherche) und Geschmack (Auswahl). Die Wahl eines gehobenen Lokals kann Wärme demonstrieren, aber auch Statusangleichung (ich gehöre in diese Preisklasse) — beide Interpretationen sind möglich. Werte entscheiden, welche Lesart dominant wird.
Die richtige Restaurantwahl
Die Studie schließt eine Lücke in der Geschenkforschung: Immaterielle Geschenke wurden bisher kaum untersucht (Clarke 2007, 2008). Theoretisch kombiniert Lekkumporn Rokeach (1986) zu Werten als zentralem Belief-System, Ajzens TPB zur Handlungsvorhersage und die Belk-Sherry-Tradition der Geschenktheorie. Die statistische Methodik ist ein Structural-Equation-Modeling auf einer robusten Stichprobe.
Die Stichprobe ist auf Australien beschränkt; kulturelle Unterschiede sind groß. Qian et al. (2007) zeigen für China, dass völlig andere Werte (Reziprozität, Guanxi, Face) das Geschenkverhalten strukturieren. Lekkumporns Modell ist damit kulturgebunden. Zudem bleibt die Frage offen, ob die Korrelation zwischen Werten und Handeln kausal ist oder ob beide durch Drittvariablen (z.B. Einkommen) moderiert werden. Auch die Selbstauskunft in Online-Surveys birgt Verzerrungsrisiken (sozial erwünschtes Antworten).
Wann ein Restaurant besser ist als Zuhause
Die aktuelle Forschungslage zu diesem Aspekt wird im Folgenden zusammengefasst.
Praktische Bedeutung
Die aktuelle Forschungslage zu diesem Aspekt wird im Folgenden zusammengefasst.
Gemeinsam essen, Freundschaften stärken
Ein gutes Essen bringt Menschen zusammen – aber nur, wenn die Einladung auch passiert. Fraily erinnert dich daran, deine Freunde regelmäßig einzuladen und den Kontakt lebendig zu halten.
Häufige Fragen
- Ist ein Restaurantbesuch ein gutes Geschenk?
- Lekkumporn (2012) untersuchte in einer Online-Befragung von 638 Respondenten in Australien, wie persönliche Werte die Wahl eines Restaurants als immaterielles Gastgeschenk für Freunde oder Familie beeinflussen.
- Wie wähle ich das richtige Restaurant?
- Die Wirkung dieser Werte ist nicht uniform. Menschen mit starkem Wert "Warm Relationship" und "Excitement" wählen Restaurants primär nach ihrer eigenen Einstellung zum Verhalten (Attitude toward Behaviour) — sie fragen: "Freut mich das selbst, bringt es Wärme in die Beziehung?".
- Wann ist ein Restaurant besser als Zuhause?
- Das Restaurant als Geschenk ist besonders interessant, weil es beide Achsen zugleich aktiviert: Der Gastgeber investiert Geld (ökonomisch), Zeit (Recherche) und Geschmack (Auswahl).
- Wie lädt man im Restaurant richtig ein?
- Ein zentraler Befund: Das Geschenkverhalten pendelt zwischen zwei Motivationsachsen. Die erste Achse ist obligatorisch vs. freiwillig (Goodwin, Smith & Spiggle 1990): Wer den Anlass als Pflicht wahrnimmt, wählt normgerecht; wer ihn als Selbstausdruck sieht, wählt persönlich.
Quellen
- Lekkumporn (2012). Personal Values and Gift Giving: The Case of Choosing a Restaurant for Hosting Dinner. Kasetsart University Working Paper.
- Kahle (1983). List of Values.Lekkumporn, 2012.
- Beatty, Kahle & Homer (1991).Lekkumporn, 2012.
- Sherry (1983). Lekkumporn, 2012.