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Freundschaft in der Gesellschaft

Sozialer Status bei Jugendlichen: Was Freundschaftsnetzwerke verraten

In einer Analyse von 84 Schulnetzwerken der AddHealth-Studie (über 90.000 US-Schüler der Klassen 7–12) untersuchten Ball und Newman (2013), welche individuellen Merkmale mit dem sozialen Status korrelieren, der aus der Richtung nicht-erwiederter.

Von Fraily RedaktionLesezeit ca. 9 Minuten

Was bestimmt Status bei Jugendlichen?

In einer Analyse von 84 Schulnetzwerken der AddHealth-Studie (über 90.000 US-Schüler der Klassen 7–12) untersuchten Ball und Newman (2013), welche individuellen Merkmale mit dem sozialen Status korrelieren, der aus der Richtung nicht-erwiederter Freundschaftsnominierungen abgeleitet wurde.

Alter und Klassenstufe zeigen den stärksten Zusammenhang: Der durchschnittliche Rang verdoppelt sich von den jüngsten (Klasse 7) zu den ältesten Schülern (Klasse 12; ANOVA: p < 0,001). Ein aufschlussreiches Detail: Zwischen der 8. und 9. Klasse besteht kein signifikanter Statusunterschied (t-Test: p > 0,95). Die Erklärung: Die 8. Klasse ist die höchste Stufe in den meisten US-Mittelschulen — ihre Schüler sind vorübergehend die „Ältesten" ihrer Schule und genießen einen temporären Statusbonus, der den erwarteten Abstand zur 9. Klasse ausgleicht.

Netzwerkanalyse-Methoden

Beliebtheit (In-Degree): Personen, die häufig von anderen als Freund benannt werden, haben einen deutlich höheren Rang — die beliebtesten Individuen sind fast doppelt so hoch gerankt wie die am wenigsten beliebten (p < 0,001). Dies stützt die Interpretation des Rankings als Statusmaß, da Beliebtheit traditionell als Statusindikator gilt (Hallinan & Kubitschek, 1988; Dijkstra et al., 2010).

Eigene Nominierungen (Out-Degree): Viele andere als Freund zu beanspruchen korreliert schwächer, aber signifikant mit dem Rang. Viele Freundschaftsnominierungen abzugeben verleiht also nicht automatisch hohen Status.

Status und Reziprozität

Geschlecht und Ethnizität zeigen überraschenderweise keinen wesentlichen Einfluss auf den Statusrang. Die Rangverteilungen sind für alle Gruppen nahezu gleichmäßig (Kolmogorov-Smirnov: D < 0,08). Sozialer Status in Freundschaftsnetzwerken spiegelt demnach nicht die demographische Kategorienzugehörigkeit wider, sondern wird durch relationale Mechanismen wie erwiderte Interaktion und Anerkennung bestimmt.

Die Befunde basieren auf der National Longitudinal Study of Adolescent Health (AddHealth), der größten Schulnetzwerkstudie der USA (1994–1995). Die Statusrankings wurden mittels einer Maximum-Likelihood-Methode aus der Struktur gerichteter Freundschaftsnetzwerke abgeleitet (Ball & Newman, 2013). Die starke Alterskorrelation steht im Einklang mit Colemans (1961) klassischer Beobachtung, dass ältere Schüler in Schulgemeinschaften generell höheren Status genießen. Der fehlende Einfluss von Geschlecht und Ethnizität ist bemerkenswert und deutet darauf hin, dass die netzwerkbasierte Statusmessung andere Dimensionen erfasst als allgemeine gesellschaftliche Statushierarchien. Die starke Korrelation zwischen In-Degree und Rang bestätigt frühere Befunde von Hallinan und Kubitschek (1988) und Dijkstra et al. (2010), die Beliebtheit als Statusindikator identifizierten.

Merkmale hohen Status

Rang und Netzwerkkennzahlen (Degree) werden aus denselben Daten abgeleitet — die Korrelationen könnten daher teilweise zirkulär sein. Die AddHealth-Daten stammen aus den 1990er Jahren; ob die Befunde im Zeitalter sozialer Medien noch gelten, ist eine offene Frage. Die Beschränkung auf zehn Freundschaftsnominierungen könnte insbesondere den Out-Degree-Effekt abschwächen, da hochsoziale Personen nicht alle Freundschaften auflisten konnten. Zudem ist unklar, ob die Ergebnisse auf andere kulturelle Kontexte oder Altersgruppen (z. B. Erwachsene im Berufsleben) übertragbar sind — die Studie erfasst ausschließlich US-amerikanische Jugendliche an weiterführenden Schulen.

Ist Beliebtheit alles?

Die aktuelle Forschungslage zu diesem Aspekt wird im Folgenden zusammengefasst.

Freundschaft aktiv gestalten

Gesellschaftliche Veränderungen machen Freundschaften nicht einfacher – aber umso wichtiger. Fraily hilft dir, den Überblick über deine Kontakte zu behalten und Freundschaften bewusst zu pflegen.

Häufige Fragen

Was bestimmt den sozialen Status bei Jugendlichen?
In einer Analyse von 84 Schulnetzwerken der AddHealth-Studie (über 90.000 US-Schüler der Klassen 7–12) untersuchten Ball und Newman (2013), welche individuellen Merkmale mit dem sozialen Status korrelieren, der aus der Richtung nicht-erwiederter Freundschaftsnominierungen.
Hängt Beliebtheit von Aussehen ab?
Beliebtheit (In-Degree): Personen, die häufig von anderen als Freund benannt werden, haben einen deutlich höheren Rang — die beliebtesten Individuen sind fast doppelt so hoch gerankt wie die am wenigsten beliebten (p < 0,001).
Wie erkennt man Hierarchien im Freundeskreis?
Die Befunde basieren auf der National Longitudinal Study of Adolescent Health (AddHealth), der größten Schulnetzwerkstudie der USA (1994–1995).
Ist hoher Status gut für die Gesundheit?
Alter und Klassenstufe zeigen den stärksten Zusammenhang: Der durchschnittliche Rang verdoppelt sich von den jüngsten (Klasse 7) zu den ältesten Schülern (Klasse 12; ANOVA: p < 0,001). Ein aufschlussreiches Detail: Zwischen der 8. und 9.

Quellen

  1. Ball & Newman (2013). Friendship networks and social status. Network Science, 1(1), 16-30.
  2. Coleman (1961). The Adolescent Society. Free Press.Ball & Newman, 2013.
  3. Hallinan & Kubitschek (1988). The formation and stability of friendships. Social Forces, 67, 297-313.Ball & Newman, 2013.
  4. Dijkstra, Cillessen, Lindenberg & Veenstra (2010). Same-gender and cross-gender peer acceptance and peer rejection and their relation to bullying and helping among preadolescents.Ball & Newman, 2013.